Warum bin ich anders? Mit Kindern über ADHS, Autismus, Asperger, Hochbegabung und Hochsensibilität sprechen
Viele Eltern, Erziehende und Erzieher und Erzieherinnen kennen das: Das Kind eckt an. In der Kita ist es zu wild, in der Schule zu verträumt, auf dem Spielplatz zu zurückgezogen. Schnell fallen Sätze wie „Reiß dich zusammen“ oder „Stell dich nicht so an“.
Doch was, wenn das Kind gar nicht anders kann?
Neurodivergenz heißt:
Das Gehirn ist anders verdrahtet. Nicht kaputt, nicht falsch – nur anders. ADHS, Autismus, Asperger-Syndrom, Hochbegabung und Hochsensibilität gehören dazu. Wenn Eltern, Erziehende und Erzieher und Erzieherinnen das verstehen, können sie es auch ihrem Kind erklären. Und das ist der wichtigste Schritt: Das Kind hört auf zu denken „Ich bin falsch“ und fängt an zu verstehen „Ich bin anders, und das ist okay“.

Wenn Eltern, Erziehende und Erzieher und Erzieherinnen noch nicht wissen, was das Kind hat
Viele erkennen das Kind in mehreren Beschreibungen wieder – das ist „normal“. Neurodivergenz kommt manchmal nicht allein.
Wichtig sind nicht die Etiketten, sondern 3 Fragen:
Wo leidet das Kind? Schmelzt es nach der Schule, hat es keine Freunde, schläft es schlecht?
Wo liegen die Stärken? Was kann es schon mit 4, was andere mit 7 nicht können? Wofür brennt es?
Was hilft sofort? Mehr Bewegung? Mehr Ruhe? Mehr Struktur? Weniger Reize?
Beobachte 2 Wochen und schreibe mit. Das hilft auch Kinderärzten oder anderen helfenden Stellen später enorm. Eine Diagnose ist kein Stempel, sondern ein Türöffner für Hilfe und Verständnis.
Die 4 wichtigsten Botschaften für das Kind
Egal was zutrifft, diese 4 Sätze braucht jedes neurodivergente Kind:
1. Du bist nicht kaputt. Dein Gehirn ist anders, nicht falsch.
2. Es liegt nicht daran, dass du dich nicht anstrengst. Du gibst dir Mühe, dein System braucht nur andere Bedingungen.
3. Wir finden zusammen heraus, was dir hilft. Du bist damit nicht allein.
4. Deine Art zu sein bringt der Welt etwas. Wir brauchen auch Rennwagen, Mikroskope und Feine Antennen.
5. Zum Schluss: Entlastung ist wichtig
Wenn das Kind nicht „funktioniert wie die anderen“, hast du als Elternteil, erziehende Person und Erzieher und Erzieherin nichts falsch gemacht. Du hast ein Kind mit einem besonderen Betriebssystem bekommen. Deine Aufgabe ist nicht, es zu Windows umzuprogrammieren, wenn es mit Linux läuft. Deine Aufgabe ist, der beste Linux-Admin zu werden, den es gibt.
Diagnostik kann helfen, aber warte nicht darauf. Fang heute an: Beobachten, Stärken benennen, Hilfen anbieten, Bilderbücher lesen. Jedes Kind, das versteht warum es anders ist, hört auf, sich selbst zu bekämpfen.
Checkliste: Ist das Kind möglicherweise neurodivergent?
Für Eltern und Erziehende zur ersten Einordnung, Alter ca. 3–12 Jahre_
Was über 6 Monate hinweg häufig zutrifft und deutlich stärker ausgeprägt ist als bei Gleichaltrigen.
Aufmerksamkeit, Energie & Impulsivität – Richtung ADHS
– [ ] Ist ständig in Bewegung, als würde ein Motor laufen. Selbst beim Essen oder Film schauen wippt, kippelt, zappelt es.
– [ ] Fängt 5 Sachen an, beendet aber kaum eine. Ist schnell begeistert, aber auch schnell gelangweilt.
– [ ] Unterbricht oft, platzt mit Antworten heraus, kann schlecht abwarten bis es dran ist.
– [ ] Verlegt ständig Dinge: Jacke, Trinkflasche, Hausaufgaben. Zimmer = Chaos trotz Aufräumhilfe.
– [ ] Bei Langeweile wird es unruhig, albern oder provozierend. Bei Interesse kann es sich stundenlang „hyperfokussieren“.
– [ ] Hat „Wackelkontakt zu den Ohren“: Hört gefühlt nur jedes dritte Wort, wenn es nicht spannend ist.
– [ ] Starke Gefühlsausbrüche: Von Himmel-hoch-jauchzend zu totaler Wut in Sekunden.
Wahrnehmung & Soziales – Richtung Autismus/Asperger
– [ ] Braucht feste Abläufe. Unangekündigte Änderungen führen zu Tränen, Wut oder Rückzug.
– [ ] Hat 1–2 Spezialinteressen, über die es alles weiß und stundenlang reden kann. Andere Themen interessieren kaum.
– [ ] Tut sich schwer mit Blickkontakt, Smalltalk oder Gruppenspielen. Spielt lieber allein oder „nebeneinander her“.
– [ ] Nimmt Sprache sehr wörtlich. Ironie, Redewendungen oder „Zwischen-den-Zeilen“ versteht es nicht.
– [ ] Ist geräusche-, licht- oder geruchsempfindlich: Staubsauger, Schulklingel, Nähte in Socken sind Drama.
– [ ] Nach sozialen Situationen völlig erschöpft. Braucht lange allein-Zeit zum „Auftanken“.
– [ ] Wiederholt Bewegungen zur Beruhigung: Flattern mit Händen, Wippen, im Kreis drehen = Stimming.
Denken & Lernen – Richtung Hochbegabung
– [ ] Stellt schon früh ungewöhnlich tiefgründige Fragen: Tod, Universum, Gerechtigkeit.
– [ ] Lernt sich selbst Lesen, Rechnen oder komplexe Dinge, ohne dass es jemand erklärt hat.
– [ ] Langweilt sich bei Wiederholungen. „Das kann ich schon“ ist der Standardsatz in Kita/Schule.
– [ ] Hat einen Wortschatz und Humor wie ein viel älteres Kind. Diskutiert mit Erwachsenen auf Augenhöhe.
– [ ] Perfektionistisch: Lieber gar nicht machen als „nur“ gut. Durchstreichen, zerreißen bei kleinen Fehlern.
– [ ] Fühlt sich oft anders, älter oder „falsch“ unter Gleichaltrigen. Sucht eher Kontakt zu Älteren.
Reize & Gefühle – Richtung Hochsensibilität
– [ ] Bemerkt Stimmungen sofort. Fragt: „Bist du traurig?“, bevor du selbst es merkst.
– [ ] Ist schnell reizüberflutet: Kaufhaus, Kindergeburtstag, Familienfeier = danach weinerlich oder überdreht.
– [ ] Starke Reaktion auf Ungerechtigkeit, auch wenn es andere betrifft. Weint bei Nachrichten oder traurigen Büchern.
– [ ] Klamotten kratzen, Etiketten stören, Essen darf sich nicht berühren. Hat viele „Macken“ beim Essen/Anziehen.
– [ ] Braucht mehr Schlaf und Rückzug als andere Kinder, sonst ist der nächste Tag gelaufen.
– [ ] Hat eine reiche Fantasie, träumt intensiv, erschrickt sich leicht bei Filmen oder lauten Geräuschen.
Die nächsten 3 Schritte:
Dokumentieren:
Schreib 2 Wochen lang auf: Wann klappt es gut? Wann eskaliert es? Was war davor? Stichwort: Schlaf, Essen, Reize, Übergänge.
Entlasten:
Nimm Druck raus. Wenn Hausaufgaben täglich 2 Stunden Krieg bedeuten, sprich mit der Schule. Wenn jeder Kita-Morgen eskaliert, überlegt gemeinsam Routinen. Das Kind macht das nicht mit Absicht.
Hilfe holen:
Erste Anlaufstelle ist der Kinderarzt. Schildere konkret deine Beobachtungen, nicht nur „ist schwierig“. Frage nach einer Überweisung an ein Sozialpädagogisches Zentrum, Frühförderung, Schulsozialarbeit in der Schule, oder zu einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Wartezeiten sind lang – lieber zu früh auf die Liste als zu spät.
Ganz wichtig:
Neurodivergenz kommt manchmal nicht allein. ADHS + Hochbegabung, Autismus + Hochsensibilität sind vorkommende Kombis. Deshalb passt dein Kind vielleicht in mehrere Kategorien.
Eine Feststellung der Hochsensibilität (HS) ändert das Kind nicht. Sie erklärt es. HS ist keine Diagnose und keine Behinderung. Hochbegabung ist ebenfalls keine Diagnose im medizinischen oder klinischen Sinne. Die Feststellung von HS und Hochbegabung gibt dem Kind die Erlaubnis, aufzuhören sich zu verstellen.
Die Diagnose von Neurodivergenz (z.B. ADHS, Autismus-Spektrum, Legasthenie, Dyskalkulie) umfasst spezifische klinische Tests, neuropsychologische Untersuchungen und standardisierte Fragebögen, durchgeführt von Fachärzten für Psychiatrie, spezialisierten Psychotherapeuten oder Autismus-Ambulanzen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Neurodiversit%C3%A4t)
Eine medizinische, psychologische Diagnose öffnet Türen zu Nachteilsausgleich (ADHS + Autismus-Spektrum, Legasthenie, Dyskalkulie) in der Schule und zu Therapien.
Selbsthilfegruppen zu besuchen kann für Eltern eine Hilfe sein. (siehe Anregungen unten im Artikel)
Bedeutende Aussage für Eltern & Erziehende:
Hochsensibilität (HS) ist kein Defekt, sondern ein Überlebensvorteil der Menschheit. Wenn dein Kind „anders“ reagiert, braucht es vielleicht nicht weniger Schutz, sondern andere Bedingungen – und du darfst dich selbst auch schützen.
Grundregel:
Erklären ohne zu bewerten
Kinder spüren, ob wir ein Problem oder eine Eigenschaft beschreiben. Vermeide Worte wie „Störung“, „Defizit“ oder „leiden an“. Nutze stattdessen Bilder: Betriebssystem, Antennen, Motor, Filter. Das macht es greifbar und nimmt die Scham.
Anregungen, wie Eltern ihren neurodivergenten Kindern ADHS und Autismus kindgerecht erklären können:
Nutze Bilderbücher als Gesprächsöffner
Kinder verstehen sich selbst besser, wenn sie sich in Geschichten wiederfinden. Für ADHS (https://www.adhs.info/fuer-kinder/buecher-fuer-kinder/). Bei Autismus (https://www.fruehfoerderung-bayern.de/autis/wissen-im-spektrum/literatur) Lest gemeinsam und sprecht danach: „Kommt dir das bekannt vor?“
Erkläre das Gehirn als „Betriebssystem
Sag: „Dein Kopf funktioniert wie ein Computer mit einem besonderen Betriebssystem. Bei ADHS läuft alles schneller und mit mehr offenen Tabs. Bei Autismus nimmt es Details viel genauer wahr, aber Überraschungen sind anstrengend.“ Das nimmt die Wertung raus. Es ist keine Krankheit, sondern eine andere Art zu denken.
Betone Stärken, nicht nur Herausforderungen
Formuliere klar: „Mit ADHS bist du oft super kreativ, mutig und voller Ideen. Mit Autismus kannst du dich tief in Themen reinfuchsen und hast ein starkes Gerechtigkeitsgefühl.“ Neurodivergenz bringt Schwierigkeiten im Alltag, aber auch echte Superkräfte. Benennt zusammen 3 Dinge, die daran cool sind.
Gib konkrete Strategien für den Alltag
Kinder brauchen Werkzeuge, keine Diagnosen. Sag: „Wenn dein Kopf zu voll wird, machen wir eine Pause mit Kopfhörern. Wenn du hibbelig bist, nutzen wir den Zappel-Ring.“ Macht gemeinsam einen „Notfall-Plan“ mit Bildern: Was hilft bei Reizüberflutung, was bei Langeweile? So bekommt das Kind Kontrolle zurück.
Beispiel-Erklärungen zum Vorlesen, für Kinder ab 5:
Jeder Mensch wird mit einem Gehirn geboren. Dein Gehirn ist wie ein Computer mit einem besonderen Betriebssystem. Bei manchen Kindern läuft alles sehr schnell, bei anderen sehr genau, bei anderen mit super feinen Antennen.
Dein Betriebssystem heißt [ADHS/Autismus/…]. Dadurch kannst du manche Dinge richtig gut, die anderen schwerfallen. Und manche Dinge sind für dich anstrengender als für andere Kinder.
Das ist nicht schlimm. Wir finden zusammen raus, wie dein Betriebssystem am besten läuft und was es braucht. Du bist genau richtig, so wie du bist.
ADHS: Das Rennwagen-Gehirn
So erklärst du es:„Dein Kopf ist wie ein Rennwagen. Er hat 300 PS und ganz viele Ideen. Bremsen und langsam fahren ist damit total schwer. Deshalb fällt Stillsitzen und Abwarten schwer. Dafür bist du super schnell, kreativ und merkst sofort, wenn was Spannendes passiert.“
Stärken betonen: Begeisterungsfähig, mutig, Ideen-Sprudler, Gerechtigkeitssinn.
Strategien: Bewegungspausen, Zappel-Tools, klare kurze Anweisungen, Timer. (https://www.adhs.info/)
Autismus/Asperger: Das Detail-Entdecker-Gehirn
Asperger wird heute zum Autismus-Spektrum gezählt. Für Kinder ist die Unterscheidung nicht wichtig.
So erklärst du es: „Dein Gehirn ist wie ein Mikroskop und ein Archiv in einem. Du siehst Details, die andere übersehen. Dafür sind laute Geräusche, viele Menschen oder plötzliche Pläne für dich wie ein Feuerwerk im Kopf – viel zu viel auf einmal. Du magst es, wenn Dinge gleich bleiben, weil du dich dann sicher fühlst.“
Stärken betonen: Ehrlich, logisch, Spezialinteressen, Muster erkennen, loyal.
Strategien: Vorhersehbarkeit, Time-Timer, Kopfhörer, Rückzugsorte, klare Sprache ohne Ironie. (https://www.fruehfoerderung-bayern.de/autis/wissen-im-spektrum/literatur) (https://de.wikipedia.org/wiki/Asperger-Syndrom) (https://de.wikipedia.org/wiki/Autismus)
Hochbegabung: Das Turbolader-Gehirn
So erklärst du es: „Dein Kopf denkt sehr schnell und sehr tief. Er stellt Fragen, die Erwachsene manchmal gar nicht beantworten können. Im Kindergarten oder in Klasse 1 kann das langweilig sein, weil du vieles schon weißt. Dann fühlt sich dein Gehirn unterfordert an, wie ein Rennpferd im Stehstall.“
Stärken betonen: Schnelle Auffassung, großer Wissensdurst, komplexe Zusammenhänge, Humor.
Herausforderungen: Perfektionismus, Gefühl „anders“ zu sein, Unterforderung führt zu Unruhe.
Strategien: Futter fürs Hirn geben – Knobelaufgaben, Museen, Experten-Themen. Langeweile ernst nehmen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hochbegabung) (https://www.cjd.de/de/cjd-beratungsstelle-fuer-begabungsfoerderung-dortmund)
Hochsensibilität: Das Feine-Antennen-Gehirn
Hochsensibilität ist keine Diagnose. Hochsensible Kinder sind nicht krank und nicht behindert.
Ca. 15–20% aller Menschen sind hochsensibel. (Oft kombiniert mit ADHS, Autismus oder Hochbegabung. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hochsensibilit%C3%A4t)
So erklärst du es: „Du hast unsichtbare Antennen für alles. Du hörst, siehst, riechst und fühlst mehr als andere. Du merkst sofort, wenn jemand traurig ist. Kratzige Pullis, laute Räume oder Streit sind für dich viel stärker als für andere Kinder. Deine Antennen sind ein Geschenk, aber sie werden auch schnell müde.“
Stärken betonen: Empathisch, kreativ, gerecht, naturverbunden, tiefgründig.
Strategien: Reizpausen, Naturzeit, Rückzug erlauben, Gefühle benennen ohne sie wegzureden. (https://hsperson.com/books/the-highly-sensitive-child/) (https://www.hochsensibel.org/startseite/kinder-und-jugendliche.php)
Vorlese-Version für jüngere hochsensible Kinder ab ca. 3 Jahren:
Deine Zauber-Antennen
Du hast Zauber-Antennen im Herzen.
Die merken alles: laute Töne, bunte Lichter und wenn jemand traurig ist.
Manchmal ist das ganz schön viel. Dann brauchst du eine Kuschel-Pause.
Deine Antennen sind ein Geschenk. Du bist toll, so wie du bist.
Mutmach-Zitate für Eltern und pädagogische Fachkräfte, die noch im Ungewissen sind:
Temple Grandin – Professorin, Autorin, Autistin
„Das Beste, was Eltern eines neu diagnostizierten Kindes tun können, ist, ihr Kind ohne vorgefasste Meinungen und Urteile zu beobachten und zu lernen, wie das Kind funktioniert, handelt und auf seine Welt reagiert.“The Way I See It, 2008 (https://de.wikipedia.org/wiki/Temple_Grandin)
Maria Montessori – Ärztin & Reformpädagogin
„Jedes Kind ist eine andere Art von Blume, und alle zusammen machen diese Welt zu einem schönen Garten.“ Zitiert nach „The Absorbent Mind“, 1949 (https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Montessori)
Steve Silberman – Wissenschaftsautor „NeuroTribes“
„Neurodiversität: die Vorstellung, dass Zustände wie Autismus, Dyslexie und ADHS als natürlich vorkommende kognitive Variationen mit besonderen Stärken betrachtet werden sollten, die zur Evolution von Technologie und Kultur beigetragen haben – und nicht als bloße Checklisten von Defiziten.“ NeuroTribes: The Legacy of Autism and the Future of Neurodiversity, 2015 (https://en.wikipedia.org/wiki/Steve_Silberman)
Temple Grandin – Professorin, Autorin, Autistin*
„Eltern und Lehrer sollten das Kind ansehen, nicht das Etikett des Kindes, und sich daran erinnern, dass dieselben Gene, die seinen Asperger hervorbringen, dem Kind die Fähigkeit gegeben haben könnten, einer der wirklich großen Köpfe seiner Generation zu werden.“ The Way I See It, 2008 (http://www.aspiana.de/neben/interview.htm)
Joan Ryan – Journalistin & Autorin
„Mutterschaft bedeutet, das Kind großzuziehen und zu feiern, das du hast, nicht das Kind, von dem du dachtest, du würdest es bekommen. Es geht darum zu verstehen, dass es genau die Person ist, die es sein soll, und dass es – wenn du Glück hast – genau der Lehrer sein könnte, der dich zu der Person macht, die du sein sollst.“ Zitiert in „The Water Giver“, 2009 (https://www.goodreads.com/author/quotes/43409.Joan_Ryan)
Alle 5 machen dasselbe deutlich: Du musst die Diagnose noch nicht kennen, um deinem Kind heute schon gerecht zu werden. Beobachten, Stärken sehen, Umfeld anpassen – das hilft immer.
Zitate von Elaine N. Aron, der Begründerin des HSP-Konzepts – speziell für Eltern und Fachkräfte, die noch nicht wissen, ob ein Kind hochsensibel ist:
Aus „The Highly Sensitive Person“, 1996
„But if our sensitivity saves a life even once, it is a trait that has a genetic payoff.“
„Aber wenn unsere Sensibilität auch nur ein einziges Mal ein Leben rettet, ist es ein Merkmal, das sich genetisch auszahlt.“ (https://hsperson.com/books/the-highly-sensitive-person/)
Aus „The Highly Sensitive Person: How to Thrive When the World Overwhelms You“, 1996*
„Being highly sensitive does not at all rule out being, in your own way, a tenacious survivor.“
„Hochsensibel zu sein schließt überhaupt nicht aus, auf deine eigene Art ein zäher Überlebenskünstler zu sein.“
Aus „The Highly Sensitive Person“, 1996
„HSPs do more of that which makes humans different from other animals: We imagine possibilities.“
„HSPs tun mehr von dem, was Menschen von anderen Tieren unterscheidet: Wir stellen uns Möglichkeiten vor.“
Aus „The Highly Sensitive Person“, 1996
„HSPs tend to fill that advisor role. We are the writers, historians, philosophers, judges, artists, researchers, theologians, therapists, teachers, parents, and plain conscientious citizens. What we bring to any of these roles is a tendency to think about all the possible effects of an idea.“
„HSPs übernehmen oft die Rolle des Beraters. Wir sind die Schriftsteller, Historiker, Philosophen, Richter, Künstler, Forscher, Theologen, Therapeuten, Lehrer, Eltern und einfach gewissenhafte Bürger. Was wir in jede dieser Rollen einbringen, ist die Tendenz, über alle möglichen Auswirkungen einer Idee nachzudenken.“
Aus „The Highly Sensitive Person“, 1996
„You do not have to take the job that will create excessive stress and overarousal. Someone else will take it and flourish in it. You do not have to work long hours. Indeed, it may be your duty to work shorter ones. Keeping yourself healthy and in your right range of arousal is the first condition for helping others.“
„Du musst nicht den Job annehmen, der übermäßigen Stress und Übererregung erzeugt. Jemand anderes wird ihn nehmen und darin aufblühen. Du musst keine langen Stunden arbeiten. Es kann sogar deine Pflicht sein, kürzere zu arbeiten. Dich selbst gesund und in deinem richtigen Erregungsbereich zu halten, ist die erste Voraussetzung, um anderen zu helfen.“
Anregungen
- Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt neurologischer Unterschiede im menschlichen Gehirn. Das Konzept „neurodivers“ betrachtet diese Varianten als normale Formen der Vielfalt statt als Defizite. Bedeutung: Das Konzept fordert ein Umdenken in Medizin, Bildung und Arbeitswelt, um passende Unterstützung statt Korrektur anzubieten. (https://de.wikipedia.org/wiki/Neurodiversit%C3%A4t)
- Artikel: Hochsensibilitaet (Teil 2) hochsensible Kinder (Beitrag hier klicken)
- Buchtipp Das hochsensible Kind: Wie Sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen Dr. Elaine Aron ist zudem die Autorin des Bestsellers »Sind Sie hochsensibel?« (Bestellung Amazon hier klicken oder mvg Verlag hier klicken)
- (Test Ist Ihr Kind sehr sensibel? hier klicken) Website von Dr. Elaine Aron (The Highly Sensitive Child Is Your Child Highly Sensitive?) Der Inhalt dieser Website und die darin enthaltenen Selbsttests sollen die Diagnose eines Zustands nicht diagnostizieren oder ausschließen.
- Informationen hochsensible Kinder und Jugendliche betreffend (Website www.hochsensibel.org hier klicken)
