Soziale Arbeit und Hochsensibilität

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie die Worte „hochsensibel“ oder „empfindlich“ hören? – Tränen, niedrige Toleranz, dünne Haut, leicht beleidigt, unflexibel, schwach, schüchtern, ängstlich, übertrieben auf Schmerzen reagieren? Wie oft hören wir „empfindlich“ oder „hochsensibel“ als Kritik?

Haben Sie darüber nachgedacht und festgestellt, dass andere „kleine Details“ zu ignorieren scheinen? Haben Sie Schwierigkeiten mit lauten Geräuschen, hellem Licht und überwältigenden Situationen? Verbringen Sie eine viel Menge Zeit damit, sich Gedanken darüber zu machen, wie andere Menschen fühlen?

Keine Sorge, es ist nichts falsch mit Ihnen!

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Nach der Forschung, die Elaine Aron in den vergangenen Jahrzehnten unternommen hat, sind 15-20% der Bevölkerung hochsensible Menschen: Diese Empfindlichkeit bezieht sich darauf, wie wir den sensorischen Input unserer Umwelt verarbeiten. Wir sind von den Dingen um uns herum leichter überfordert als andere Menschen, die unser Sinnesverarbeitungssystem reizen. Hohe Verarbeitungsempfindlichkeit wurde bereits in mehr als einhundert Arten festgestellt, darunter Fliegen, Vögel, Fische und Hunde. Diese hochsensiblen Wesen haben eine anderen Überlebensinstinkt, sie sind aufmerksamer, bevor Sie handeln.

Das Gehirn hochsensibler Menschen verarbeitet die Informationen länger und reflektiert es tiefer als Nicht-HSP (Hochsensible Personen). Daher sind Sie auch leichter überfordert. Wenn die Dinge zu intensiv, zu komplex, zu chaotisch für eine lange Zeit sind, wird ein HSP überreizt.

Wir müssen unser Bewusstsein und unser Wissen für hohe Empfindlichkeit oder Hochsensibilität erhöhen. Sonst werden wir es nicht zu schätzen lernen, wie viele wunderbaren Geschenke die Hochsensiblen unter uns in die Gesellschaft einbringen können.

Der  Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und sozialen Berufen

Die angeborene Persönlichkeitseigenschaft Hochsensibilität ist für das Berufsfeld der Sozialen Arbeit enorm wichtig. Elaine N. Aron gilt als Pionierin auf dem Gebiet der Hochsensibilität.
Ihre Standardwerke geben einen umfassenden Einblick in das Phänomen Hochsensibilität, wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen: „The Highly Sensitive Person“ und „Sind Sie hochsensibel?“

Hochsensible Menschen sind im sozialen und emotionalen Bereich besonders begabt. Sie verfügen über eine besonders differenzierte Sinneswahrnehmung und eine ausgeprägte Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. So verwundert nicht, dass HSP bevorzugt soziale Berufe wählen, bei denen sie ihre sozialen und emotionalen Stärken besonders gut einbringen können (z. B. Sozialarbeit, Pädagogik, beratende Berufe usw.).

In der Sozialen Arbeit tätige HSP haben häufig Schwierigkeiten damit sich abzugrenzen. Sie haben möglicherweise ein unzureichendes Selbstwertgefühl, leiden unter Ellenbogenverhalten, zu vielen Vorschriften, Zeitdruck und starken Reizen. Viele haben mit Stresserkrankungen zu kämpfen. Die Krankenstände im Bereich der Sozialen Arbeit sind allgemein hoch, die Arbeitsbelastungen nehmen zu. Da Hochsensibilität bislang wenig erforscht ist und sie daher noch keine umfassende gesellschaftliche Akzeptanz besitzt, ist zu vermuten, dass viele der hochsensiblen Sozialarbeitenden ihr Potenzial nicht oder nur unzureichend in ihr Berufsleben integrieren können – auch deshalb, weil sie sich selber noch gar nicht als hochsensibel erkannt haben.

Netzwerk Soziale Arbeit und Hochsensibilität

Um das Thema „Hochsensibilität“ in der Sozialen Arbeit voranzubringen, haben wir diese Seite ins Leben gerufen. Sie sollen hier Impulse, Blickwinkel und Hilfe finden, wenn Sie sich zu den hochsensiblen Personen zählen oder am Thema interessiert sind.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde es äußerst hilfreich, dass es dieses Netzwerk gibt. Als HSP erkenne ich sehr schnell wenn ich zu viele Reize erlebe und kann mich dann zügig abgrenzen. Da ich mich intensiv damit auseinandergesetzt habe, wolle ich vor allem meine Stärken herausholen. Nun geht es mir darum wie ich souverän mit Strukturen, Vorgaben und wenig reflektierenden Vorgesetzten umgehen kann. Schlagfertigkeit kann ich hier nicht anwenden, obwohl das oftmals ein kluger Weg ist. Wem es ähnlich geht der hat möglicherweise einen Impuls für mich. Ich danke euch.
    Dagmar aus Berlin

  2. Hallo Dagmar,
    danke für Deinen Kommentar auf diesem Blog. Deine Fragen sind meiner Meinung nach typisch für Hochsensible, die häufiger nicht in die gewöhnlichen Strukturen passen.
    Einen Vorschlag, den ich machen kann, ist das „geschlossene Netzwerk“ bei Facebook einzutreten und Deine Fragen dort vorzubringen. Ziemlich sicher wird eine der Kolleginnen bzw. ein Kollegen darauf Bezug nehmen. Ich bin die Gründerin der Gruppe und moderiere, falls nötig.
    Hier ist der Link der dort hinführt:
    http://high-sensitive-socialwork.de/facebook-gruppe-netzwerk-soziale-arbeit-und-hochsensibilitaet/
    Zwei Hinweise Büchern, die mir bei ähnlichen Herausforderungen im Beruf geholfen haben, kann ich Dir geben:
    Bärbel Wardetzki „Kränkungen am Arbeitsplatz“. Sie möchte mit dem Buch Hilfe leisten, die Kränkungskompetenz in Zeiten von Konkurrenzdruck und unsicheren Arbeitsplätzen zu stärken.
    Martin Wehrle „Der Klügere denkt nach“. Tipps, wie Du Dich gegen Schwätzer durchsetzen kannst. In Diskussionen Deine Anliegen vorbringen kannst. Die eigenen Stärken von Introvertierten und Hochsensiblen selbst erkennen und nutzen.
    Ich wünsche Dir, dass Dir dies eine Anregung sein kann. LG Elke Overhage

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