Hochsensibilität – Es ist etwas in Bewegung Symposium Hochsensibilität in der Psychotherapie

  Artikel von Elke Overhage

Gestern war ich bei der Akademie Heiligenfeld zum „Symposium Hochsensibilität in der Psychotherapie“. Eingeladen waren Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten, Menschen in therapeutischen Berufen sowie Interessierte, hochsensible Personen.

Heute einen Tag danach bin ich noch ganz beseelt von den Eindrücken. Wie Ihr wisst, engagiere ich mich für das Thema „Soziale Arbeit und Hochsensibilität“. Aktuell ist dies noch ein Aussenseiterthema. Und gerade deshalb ist eins für mich als Netzwerkerin so wichtig, andere Aktive zu Thema Hochsensibiltät zu treffen und wie selbstverständlich mit dem Thema umzugehen. Ich möchte hier betonen, wie gut mir dies getan hat.

Dr. Joachim Galuska begüßte uns in einer sehr angenehmen Art. Er beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Hochsensibilität und hat ein eigenes Therapiekonzept für Hochsensible entwickelt. Hier wird zu Beginn natürlich mit einem Fragebogen überprüft, ob der Klient/Patient hochsensibel ist. Und nach der Anamese, wird sicherlich ganz individuell für die Person ein Therapiekonzept in Zusammenarbeit mit einem multiprofessionellen Team erstellt. Herr Galuska hat Humor und eine ausgesprochen motivierende Art, an das Thema heran zu führen.

Danach sprach der Referent Martin Bertsch zu „Ressourcen und Potentiale hochsensibler Menschen – eine ganzheitlich integrative Annäherung“. Auch bei ihm war spürbar, dass er Experte ist. Mir gefiel besonders seine ganzheitliche Art, Inhalte zu übermittelteln. Gerade Hochsensible empfangen nicht nur das gesprochene Wort, sondern sie verfügen über mannigfaltige Kanäle, um Informationen aufzunehmen. Ich hatte jedenfalls einige „Aha-Erlebnisse“. Input erfolgte über Sprache, Übungen, Bilder, Zeichnungen und tolle Videos: Ein Teil einer wissenschaftlichen Doku (Jerome Kagan ) zeigte die Reaktionen eines hochsensiblen Babys im Vergleich zu einem nicht hochsensiblen sehr plastisch und nachvollziehbar. Weiter zeigte er einen Ausschnitt eines Films zu einem hochsensiblen Jungen, der im Heim auswuchs und die Affinität zu Geräuschen, die Schönheit der Natur, und darüber hinaus wie ein Dichter die „Natur in ihrer Gesamtheit“ erfasste. Er musste Ausgrenzung durch die anderen Kinder erfahren. Es schient so, dass er niemanden hatte und mutterseelenalleine war. Und auch ich bin überzeugt davon, dass die Hochsensibilität keine Schwäche ist, sondern eine riese Stärke. Der Junge jedenfalls hatte duch seine Gabe den Zugang zu etwas, was ihn stabilisierte, eine Zuversicht gab, und trotz seiner Zartheit war er schon eine tolle Persönlichkeit, die Rückgrat hatte für sein so besonderes Talent einzustehen. Also tolle Beispiele, um in das Thema hinein zu kommen.

Danach stellten Teele Tamm und Devina Galuska ihre „Forschungsergebnisse zur Erfassung von Hochsensibilität in klinischen und nicht-klinischen Personengruppen“ vor. Heiligenfeld forscht glücklicherweise zum Thema HS. Die wissenschaftlichen Grundlagen sind immer noch umstritten, da ist es um so wichtiger Licht ins Dunkel zu bringen. Auf jeden Fall halten sich nach Umfragen von Elaine Aron und anderen Forschern 20 Prozent der Bevölkerung für hochsensibel. Die Beurteilung, ob Hochsensibilität vorliegt, erfolgt nach Selbsteinschätzung. Es ist nicht „pathogen“. Es ist keine Krankheit und wird daher nicht von Ärzten, Psychologen oder Therapeuten diagnostiziert. Ich will auf die vorgestellten Ergebnisse hier nicht weiter eingehen, da sie sehr spannend, aber nur mit Hilfe der vorgestellten Tabellen und Übersichtstafeln zu erklären sind.

Weiter ging es mit dem interaktiven Vortrag „Lebendige Hochsensibilität – das Hochsensibilitätskonzept in der Parkklinik Heiligenfeld “ im Plenum mit Dr. Cristina Pohribneac und Lara Pietzko. Auch hier überraschten die Beiden mit Einfühlsamkeit und viel Kreativtät. Einige Grundprinzipien der HS wurden erörtert. Total begeisterte mich die „Beleuchtung der theoretisch-strukturellen Aspekte“ mit Hilfe von therapeutischen Übungen (mit Selbsterfahrungscharakter). Hier war absolut erfahrbar wie die Wirkung des Konzeptes von den Kliniken Heilgenfeld für Hochsensible zu verstehen ist. Ich jedenfalls habe eine viel bessere Vorstellung vom Behandlungskonzept „Erkennen, Verstehen Schützen“. Hier ist der Link zur Verdeutlichung: https://www.heiligenfeld.de/Berufsgruppen-und-Indikationen/hochsensibilitaet-parkklinik.html

Nachmittags fanden Parallelworkshop 1 „Hochsensibilität in der therapeutischen Praxis“ mit Dr. Cristina Pohribneac und Parallelworkshop 2 „Gesund hochsensibel leben“ Martin Bertsch, statt. Ich nahm am ersten teil. Hier hatte ich wieder viele Eindrücke und einen vertieften Einblick zum Thema des Symposiums. Mir wurde wiederholt auch hier deutlich, wie wichtig hochsensible Menschen als Therapeuten, Berater und auch im Bereich der Sozialen Arbeit sind. Auch nicht Hochsensible können hilfreich sein, wenn sie sich intensiv ins Thema vertiefen.

Während des Symposiums „Hochsensibilität“ traf ich einige weitere spannende Persönlichkeiten, die in diesem Bereich aktiv sind. Dies war das erste Mal, dass in Deutschland so viele Hochsensible Fachleute beisammen waren.

Für mich jedenfalls war ganz erfrischend ein Spirit und eine Aufbruchstimmung spürbar, die mir Mut machen, mein Engagement fortzusetzen. Nur wenn Viele sich trauen, den Ursachen der Hochsensibiltät auf den Grund zu gehen, sich damit zu beschäftigen, sich zu vernetzen und weiterhin mit den Erkenntnissen an die Öffentlichkeit zu gehen, dann wird es für die Hochsensiblen einfacher, ihren Platz in Beruf und Privatleben zu finden. Das erfordert von den Einzelnen Mut und echte Beteiligung und erhöht die Wirksamkeit.

Ich bin sicher, es lohnt sich.

Elke Overhage arbeitet als Coach vor allem für Mitarbeiter, Führungskräfte sowie für Hochsensible. Schwerpunkte sind: "Selbstsorge und Hochsensibilität", Achtsamkeit, Resilienz, Sozialarbeit, Berufung

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